Umgang mit Widerständen gegen Rassismuskritik
Am 4. März 2026 sprachen wir im digitalen Fachaustausch zu Umgang mit Widerständen gegen Rassismuskritik. Der digitale Fachaustausch ist ein Angebot für Fachpersonen unseres Projekts Bildungslücke_Rassismus.
Für die Fachimpulse haben wir Dr. Mutlu Ergün-Hamaz von Deutschen Institut für Menschenrechte eingeladen. Hier können die Fachimpulse angeschaut werden.
1. Vortrag: Typische Abwehr-Muster im Schulalltag erkennen
Dr. Mutlu Ergün-Hamaz ist seit 2023 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Menschenrechte und arbeitet zur Menschenrechtsbildung sowie rassistischer Diskriminierung. Als Erziehungs- und Literaturwissenschaftler promovierte er an der London School of Economics and Political Science und war zuvor Diversitäts- und Antidiskriminierungsbeauftragter an der Universität der Künste Berlin.
Die wichtigsten Punkte des Vortrags
- Ergün-Hamaz bezieht sich auf die ABRAKA-Studie (2022–2026) zu Abwehrreaktionen in der rassismuskritischen Bildungsarbeit und fokussiert die Ergebnisse auf den Schulkontext
- Abwehr ist Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse und ist alltäglich
- Erkennen von Abwehr – sowohl bei anderen als auch bei uns selber – ist ein erster Schritt zur Veränderung
- Abwehr erschwert Lernprozesse, manchmal ist sie aber auch wichtig, weil sie vor Überforderung, Schuld und Scham schützen kann
- Abwehr ist kein individueller Charakterfehler, sondern sozial erlernte Reaktionsweisen
- Drei typische Formen von Abwehr
- Verschiebung/Verdrängung/Ablenkung („Rassismus ist kein Problem in Deutschland, sondern in den USA“)
- Täter*innen-Opfer-Umkehr („du bist rassistisch, weil du über Hautfarben sprichst (zu einer Person, die rassifiziert wird“)
- Moralische Dualismen (Rassismus ist böse, aber ich bin ja eine gute Person, also hat das nichts mit mir zu tun)
2. Vortrag: Mit Abwehr arbeiten – handlungsfähig im Schulalltag
Im zweiten Teil geht Dr. Mutlu Ergün-Hamaz darauf ein, wie man reagieren kann, wenn man Abwehr gegen Rassismuskritik erlebt – sei es durch andere Personen oder durch einen selbst.
Die wichtigsten Punkte des Vortrags
- Wenn man Abwehr erkennt, ist es hilfreich zu wissen, wie man praktisch mit ihr umgehen kann
- Abwehr ist kein individuelles Versagen, sondern strukturell mitbedingt
- Es gibt zwei Ebenen: Umgang mit Abwehr bei anderen und der Umgang mit Abwehr bei einem selbst
- Abwehr auf Rassismuskritik ist – ähnlich wie bei Rassismus – nicht kognitiv gesteuert, sondern emotional
- Wer Emotionen ignoriert, verliert oft Handlungsspielräume
- Drei Tools für den Umgang mit Abwehr bei anderen:
- Verlangsamen und Spiegeln
- Re-Fokussieren auf die Sachebene
- Angebote statt Urteile
- Drei Tools für den Umgang mit eigener Abwehr:
- Innere Stopp-Regel
- Von Identität zu Praxis wechseln
- Selbstschutz und Grenzen
- die Institution Schule impliziert oft Hierarchien und Zeitdruck; diese tragen dazu bei, dass rassifizierte Strukturen nicht verändert werden
- Veränderung braucht individuelle und strukturelle Schritte
- Abwehr ist normal – und bearbeitbar
- Kleine Interventionen: große Wirkung über die Zeit (nicht unterschätzen)
- Ziel: Mehr Handlungsspielraum im (Schul-)Alltag
Weitere Informationen
Deutsches Institut für Menschenrechte / Studie