Rückblick Digitaler Fachaustausch
Vielfalt und Repräsentanz in schuldemokratischen Gremien
Um Akteur*innen, die mit von Rassismus betroffenen Kindern, Jugendlichen und Eltern in Beratungsfunktionen arbeiten, bundesweit zu vernetzen und eine länderübergreifende Zusammenarbeit zu ermöglichen, bieten wir einen regelmäßigen Digitalen Fachaustausch zu verschiedenen Themen rund um die diskriminierungs- und rassismuskritische Schule an.
Am 29. Januar 2024 ging der zweistündige Fachaustausch um das Thema „Schuldemokratie rassismuskritisch betrachtet: Vielfalt und Repräsentanz in den schuldemokratischen Gremien”. Er wurde in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe) und dem Kompetenznetzwerk Demokratiebildung im Jugendalter (KNW) durchgeführt.
Neben Impulsvorträgen gab es Raum für Kleingruppendiskussionen mit Austausch, Fragen und Kommentaren sowie einer Abschlussrunde. Die Impulsvorträge unserer Expert*innen können Sie hier nochmal anschauen.
Springe zu:
1. Vortrag: Diskriminierungskritischer Klassenrat (Hanna Schulz, DeGeDe)
2. Vortrag: Beteiligung der Eltern mit Migrationsgeschichte in schuldemokratischen Gremien (Dr. Mehmet Alpbek, FÖTED)
3. Vortrag: Mitbestimmungsgremien als Frühwarnsystem und Anlaufstelle für Betroffene von Rassismus? (Aimo Gönne, Landesschülerausschuss, Berlin)
1. Vortrag: Diskriminierungskritischer Klassenrat
Hanna Schulz berichtete uns in ihrem Impulsvortrag von der Idee eines Diskriminierungskritischen Klassenrats. Sie ist Projektreferentin bei der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe) und koordiniert zusammen mit einer Kollegin das Projekt Diskriminierungskritische Schulentwicklung, in dem auch die besprochene Broschüre entstanden ist.
Zusammenfassung des Vortrags
Zur Einführung beschreibt Hanna Schulz das Konzept des Klassenrats, das immer mehr Bekanntheit erfährt und seit 2022/23 in Berlin im Schulgesetz verankert ist. Es handelt sich um eine demokratiepädagogische Methode, in der Schüler*innen Demokratie üben und über alle gewünschten Themen sprechen können. Für den Klassenrat gibt es feste Regeln als Rahmen, u.a. dass alle Schüler*innen gleichberechtigt teilnehmen und dabei sehr unterschiedliche Rollen übernehmen können.
Als Add-On zum Klassenrat hat die DeGeDe zusammen mit verschiedenen Autor*innen eine Broschüre „Diskriminierungskritischer Klassenrat“ entwickelt und herausgebracht. Vier fiktive Personen begleiten durch das Heft und dienen als Identifikationspersonen für die Schüler*innen.
Die Inhalte der Broschüre sind:
- Thematische Einführung zu Diskriminierungskritik
- Wichtige Begriffserklärungen
- Einbau der Inhalte in den Klassenrat
- Was ist ein Buddy-System?
- Glossar
- als Ergänzung gibt es Praxistipp-Karten zum Magazin zum schnellen Einstieg
Weitere Informationen
Das bunt und ansprechend gestaltete Magazin „Diskriminierungskritischer Klassenrat“ und die Praxistipp-Karten können kostenlos als PDF heruntergeladen oder gegen Portokosten als Druckversion bestellt werden.
2. Vortrag: Beteiligung der Eltern mit Migrationsgeschichte in schuldemokratischen Gremien
Für den zweiten Impulsvortrag des Fachaustauschs konnten wir Dr. Mehmet Alpbek gewinnen. Er ist Bundesgeschäftsführer der Föderation Türkischer Elternvereine in Deutschland e.V. (FÖTED) und engagiert sich im Bundeselternnetzwerk der Migrantenorganisationen Bildung und Teilhabe (bbt) für die Vernetzung von migrantischen Elterninitiativen.
Zusammenfassung des Vortrags
Über Begriffsdefinitionen und Schlagzeilen nähert sich Dr. Mehmet Alpbek Schritt für Schritt der Skizzierung des stereotypen Bildes, das die deutsche Mehrheitsgesellschaft von Eltern mit Migrationsgeschichte haben. Er geht dann der Frage nach, wie die Beteiligung dieser Eltern in schuldemokratischen Gremien erhöht werden könne. Seine These lautet: Eltern werden im Schulsystem nicht systematisch über ihre Rechte und Mitwirkungsmöglichkeiten informiert. Eine geringe Teilhabe liegt also nicht an mangelndem Interesse, sondern an anderen Hindernissen.
Zur Verbesserung der Situation schlägt das Bundeselternnetzwerk (bbt) in einem Positionspapier von 2020 u. a. vor:
- Stärkung und Ausbau der Kapazitäten der Migranten- und Elternorganisationen
- Institutionalisierung und Verstetigung der Zusammenarbeit mit Eltern
- Sicherung der Qualitätsstandards in der Zusammenarbeit mit Eltern
- Entwicklung von anonymen Beschwerdestellen und einer Gesamtstrategie gegen alle Formen von Diskriminierung und Rassismus
- Konsequente Maßnahmen für diskriminierendes und rassistisches Handeln in Bildungseinrichtungen
Abschließend stellt Dr. Mehmet Alpbek fest: Das Wichtigste an seiner Arbeit sei, die Eltern in die Lage zu versetzen, bei Bedarf selber für ihre Sache eintreten bzw. sich als Elternvertreter für andere einsetzen zu können.
Weitere Informationen
3. Vortrag: Mitbestimmungsgremien als Frühwarnsystem und Anlaufstelle für Betroffene von Rassismus?
In seinem Beitrag legt Aimo Görne, der Vorsitzende des Landesschülerausschusses Berlin, die mögliche Rolle von schulischen Mitbestimmungsgremien bei rassistischen Vorfällen an Schulen dar. Er erläutert zum einen, ob und inwiefern Schüler*innenvertretungen als Frühwarnsystem agieren können und zum anderen, wie sie als Anlaufstelle für Betroffene von Rassismus funktionieren können.
Zusammenfassung des Vortrags
Aimo Görne erklärt am Anfang seines Impulsvortrages die Struktur der Schülerausschüsse in Berlin. Thematisch beschäftigt sich der Landesschülerausschuss als Interessensvertretung mit den Belangen der Berliner Schüler*innen und dabei u.a. insbesondere mit strukturellen Problemen, die die Schullandschaft berlinweit betreffen.
Weiter erläutert er in seinem Vortrag:
- welche Faktoren sich positiv auf eine repräsentativere Zusammensetzung der Schulgremien auswirken,
- welche Vorteile Schulgremien und Klassensprecher*innen als Frühwarnsystem haben,
- welche Unterstützung Schulgremien von außen benötigen, damit sie auch als erste Anlaufstelle bei rassistischen Vorfällen fungieren können und
- welche thematischen Forderungen der Berliner Schüler*innenausschuss zur Verbesserung der Antidiskriminierungs-Arbeit an den Schulen hat, zum Beispiel ein transparentes Beschwerdeverfahren.
Abschließend betont Aimo Görne, dass Schüler*innenvertretungen ein Baustein in der Antidiskriminierungs-Arbeit sein können, wenn diese zu dem Thema geschult werden, genügend Ressourcen erhalten und fachliche Begleitung zur Seite steht. Mit den richtigen Voraussetzungen können Schulgremien allgemein wichtige Impulse setzen.