Rückblick Digitaler Fachaustausch

Wie kann der palästinensisch-israelische Krieg aktuell im Klassenzimmer rassismus- und antisemitismuskritisch thematisiert werden?

Um Akteur*innen, die mit von Rassismus betroffenen Kindern, Jugendlichen und Eltern in Beratungsfunktionen arbeiten, bundesweit zu vernetzen und eine länderübergreifende Zusammenarbeit zu ermöglichen, bieten wir einen regelmäßigen digitalen Fachaustausch zu verschiedenen Themen rund um die diskriminierungs- und rassismuskritische Schule an.

Am 3. Juni 2024 ging der zweistündige Fachaustausch um das Thema „Wie kann der palästinensisch-israelische Krieg aktuell im Klassenzimmer rassismuskritisch und antisemitismuskritisch thematisiert werden?”. Er wurde in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe) und dem Kompetenznetzwerk Demokratiebildung im Jugendalter (KNW) durchgeführt.

Neben Impulsvorträgen gab es Raum für Kleingruppendiskussionen mit Austausch, Fragen und Kommentaren sowie einer Abschlussrunde. Die Impulsvorträge unserer Expert*innen können Sie hier nochmal anschauen.

Springe zu:
1. Vortrag: Wie reden über die Terroranschläge in Israel und den Krieg in Gaza? (Tami Rickert, Bildungsstätte Anne Frank)
2. Vortrag: Wie kann der Krieg im Klassenzimmer rassismus- und antisemitismuskritisch thematisiert werden? (Clara Debour, Rütli-Campus)

1. Vortrag: Wie reden über die Terroranschläge in Israel und den Krieg in Gaza?

Pädagogische Hinweise zum Umgang mit Reaktionen im Klassenzimmer

Tami Rickert ist Bildungsreferentin und Projektleiterin in der Bildungsstätte Anne Frank. Sie sagt, dass es wichtig sei, in der Schule über den Terrorangriff am 7. Oktober 2023 auf Israel und den Krieg in Gaza zu sprechen, gerade weil vor allem Jugendliche viele Informationen über Social Media erhalten.

 

Die wichtigsten Punkte des Vortrags

  • Viele Schüler*innen sind bei dem Thema emotionalisierter als in anderen Konflikten, sei es aufgrund persönlicher Betroffenheit oder der Berichterstattung
  • Lehrkräfte sind zum Teil überfordert und befürchten konflikthafte Situationen im Klassenraum
  • Schüler*innen sind mit reproduziertem Rassismus von Lehrkräften und in den gesellschaftlichen Debatten konfrontiert
  • Antisemitismus ist ebenfalls angestiegen: Schüler*innen merken, dass sie ihre Meinung nicht frei äußern oder ihre Identitäten nicht zeigen können
  • Pädagog*innen haben selbst teils unbewusste Stereotype, deswegen müssen sie ihre eigenen Positionen kritisch reflektieren
  • Antisemitismus- und rassismuskritische Bildungsarbeit sollten zusammen gedacht und praktiziert werden
  • Bei menschenverachtenden Aussagen müssen klare Grenzen gezogen werden

Tami Rickert empfiehlt zum besseren Verständnis in der pädagogischen Arbeit das Eisbergmodell: Was steckt hinter den geäußerten Positionen und Handlungen? Wie können diese Bedürfnisse, Erfahrungen und Co. besprechbarer werden?

 

Mehr Informationen

Bildungsstätte Anne Frank

 

2. Vortrag: Wie kann der Krieg im Klassenzimmer rassismus- und antisemitismuskritisch thematisiert werden?

Clara Debour ist Lehrerin am Rütli-Campus in Berlin-Neukölln und gibt in ihrem Impulsvortrag einen Einblick in einen dortigen Projektkurs, der sich mit der aktuellen Situation und der historischen Entwicklung in Israel/Palästina beschäftigt. Debour beschreibt, wie ein antisemitismus- und rassismuskritischer und multiperspektivischer Ansatz im Unterricht genutzt werden kann, um das komplexe Thema des Nahostkonflikts mit den Schüler*innen zu bearbeiten, dabei ihre Identitäten und Erfahrungen zu berücksichtigen.

 

Die wichtigsten Punkte des Vortrags

  • Projektkurs „Naher Osten“: Zwei Jahre Wahlpflichtunterricht für 9. und 10. Klasse, Fokus auf Biografien, Empathie und Beziehungsarbeit.
  • Wichtig sei zu Beginn die Reflexion der eigenen Position: Lehrkräfte sollten ihre eigene Betroffenheit zum Thema und ihre Rolle im Machtgefälle zu den Schüler*innen reflektieren.
  • Schüler*innen mit arabischem oder türkischem Hintergrund fühlen sich oft nicht zugehörig und nicht akzeptiert oder missverstanden, besonders hinsichtlich Diskriminierungserfahrungen.
  • Motivation des Projekts: Diskriminierung und Demokratiebildung müssen thematisiert werden, radikalisierenden Tendenzen muss entgegengewirkt werden.
  • Themen: Auseinandersetzung mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Shoah, Friedensinitiativen, Medienkritik.
  • Multiperspektivität: Verschiedene Narrative des Nahostkonflikts werden behandelt, mit Blick auf historische und aktuelle Ereignisse.
  • Peer-Ansatz: Externe Referent*innen mit palästinensischem oder israelischem Hintergrund werden eingebunden.
  • Am Ende der Projektzeit steht eine Reise nach Israel/Palästina auf dem Programm, die allerdings seit dem 7. Oktober 2023 nicht mehr stattgefunden hat.

 

Mehr Informationen

Für die eigene Arbeit mit Jugendlichen empfiehlt Clara Debour zum Abschluss einige Materialien, die unter den folgenden Links zu finden sind:

Taskcards

Bildungsbausteine (Verknüpfungen)

Methodensammlung für Bildung gegen Antisemitismus

Israel-Palästina-Projekt von Shai Hoffmann und Jouanna Hassoun 

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