Rückblick Digitaler Fachaustausch

Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen von BPoC-Jungen in der Schule

Um Akteur*innen in und um Schule zum Thema rassismus- und diskriminierungskritische Schule bundesweit zu vernetzen und einen länderübergreifenden Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit zu ermöglichen, bieten wir in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe) und dem KNW-Netzwerk Demokratiebildung im Jugendalter einen regelmäßigen digitalen Fachaustausch an. Hierzu laden wir jeweils Expert*innen für einen kurzen Impulsvortrag ein, diskutieren anschließend das jeweilige Thema in  Kleingruppen und tauschen Erfahrungen in den verschiedenen Bundesländern, Regionen und Städten sowie wirksame Handlungsmöglichkeiten aus.

Unser zweiter digitale Fachaustausch fand am 18. September 2023 zum Thema Von den sogenannten ‘schwierigen Jungen’. Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen von BPoC*-Jungen in der Schule statt.

Die beiden Impulsvorträge thematisierten die besondere Betroffenheit von intersektionaler Diskriminierung, die Schwarze, muslimische und migrantisierte Jungen in der Schule erleben.

Sandra Abed (Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen – ADAS) berichtete dabei von konkreten Fällen aus der Antidiskriminierungsberatung, während Dr. Nahed Samour (Radboud University/Humboldt Universität zu Berlin) rechtliche Aspekte fokussierte. Die Mitschnitte beider Vorträge können hier angesehen werden.

* BPoC = Black and People of Color; Selbstbezeichnung von Schwarzen Menschen mit Rassismuserfahrungen

Springe zu:
1. Vortrag: Die sogenannten „schwierigen“ Jungen – Perspektive der Antidiskriminierungsberatung (Sandra Abed, ADAS)
2. Vortrag: Spezifische Diskriminierungserfahrungen von BPoC-Jungen in der Schule (Dr. Nahed Samour, Radboud University Nijmegen/HU Berlin)

1. Vortrag: Die sogenannten „schwierigen“ Jungen – Perspektive der Antidiskriminierungsberatung

ab 2:48 min: Sandra Abed berichtet über ihre Erfahrungen als Beraterin in der Anlaufstelle Diskriminierungsschutz in Schulen Berlin (ADAS) mit Beratungsfällen mit BPoC-Jungen in der Antidiskriminierungsberatung.

 

Die wichtigsten Punkte des Vortrags

  • Häufig auftretende Fallkonstruktion in der Beratung: ein männliches Grundschulkind – meist türkisch oder arabisch gelesen bzw. BPoC – ist auffällig, weil es sich laut Klassenleitung nicht an Regeln halte und oft in Konflikte gerate
  • bei den Betroffenen handelt es sich oft um leistungsstarke Schüler
  • Diskriminierende Äußerungen durch Lehrkräfte nehmen häufig rassistischen Bezug auf angebliche kulturelle Prägung: „Ihr kleiner Pascha“, „wir müssen aufpassen, dass er später nicht kriminell wird“
  • Einseitige (negative) Wahrnehmung des Verhaltens des BPoC-Schülers; kein Entgegenbringen von Empathie
  • BPoC-Schüler werden häufig härter und schneller bestraft
  • Meldung der Diskriminierung seitens der Betroffenen führt oft dazu, dass der Schüler von den Lehrkräften stigmatisiert wird
  • Der Schüler fühlt sich in der Folge nicht angenommen; das kann zu weiterem Fehlverhalten führen

 Am Ende ihres Vortrags betont Sandra Abed den beschriebenen Kreislauf, der sich innerhalb eines Schuljahres mehrmals wiederholen kann.

 

Weitere Informationen

Webseite ADAS

 

2. Vortrag: Spezifische Diskriminierungserfahrungen von BPoC-Jungen in der Schule


ab 20:15 min: Dr. Nahed Samour ist Research Associate an der Radboud University Nijmegen in der Forschungsgruppe race-religion-constellations und arbeitet ebenfalls in Projekten an der HU Berlin. Die Rechts- und Islamwissenschaftlerin greift die rechtlichen Aspekten der Diskriminierung von BPoC-Jungen in Schulen auf.

 

Die wichtigsten Punkte des Vortrags

  • Wichtig: Anfertigen eines schriftlichen Wortprotokolls durch Eltern/Erziehungsberechtigte
  • Eltern sollten Termine für ein Gespräch mit der Lehrkraft oder der Schulleitung am besten selbst vorschlagen, damit sie auch Zeit haben
  • Eltern haben das Recht auf Einsicht der Schülerakte, und können so ggf. stigmatisierende Eintragungen verhindern; diese Einträge im Nachhinein löschen zu lassen ist nicht so einfach
  • Gewaltvorfälle sollen in Berlin z. B. der Senatsverwaltung Bildung, Jugend und Familie anonym übermittelt werden und nicht in der Schülerakte auftauchen
  • Berliner Schulen rufen relativ oft die Polizei, obwohl es um Kinder (unter 14 Jahren) geht
  • Manchmal werden Kinder sogar vorgeladen – das ist rechtswidrig
  • Nahed Samour appelliert an die Professionalisierung der Schulen

Die Stigmatisierung des Schülers durch die Schule kann weitreichende Folgen haben; Eltern können auch stigmatisiert werden und der Schüler kann unter seinen Mitschüler*innen unbeliebt werden, deswegen muss die Thematik vorsichtig behandelt werden.

 

Weitere Informationen

Personenporträt auf der Webseite der HU Berlin

Race Religion Research

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