Rückblick Digitaler Fachaustausch
Rassismuskritische Sprache im Klassenraum
Um Akteur*innen in und um Schule zum Thema rassismus- und diskriminierungskritische Schule bundesweit zu vernetzen und einen länderübergreifenden Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit zu ermöglichen, haben wir in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe) und dem KNW-Netzwerk Demokratiebildung im Jugendalter einen regelmäßigen digitalen Fachaustausch angeboten.
Am 17. Juli 2023 fand der erste digitale Fachaustausch zum Thema Rassismuskritische Sprache im Klassenraum (Verwendung N-Wort, Z-Wort in Lehrmaterial und Sprache) statt. Hierzu gab es zwei Impulsvorträge, die hier zu Verfügung gestellt werden.
Springe zu:
1. Vortrag: Vorstellung des Leitfadens „Unmasking Racism: Guidelines for Educational Materials“ (Simao Yu, Leibniz-Institut für Bildungsmedien/GEI)
2. Vortrag: Leitfaden für Lehrkräfte zum Umgang mit dem N-Wort im Unterricht (Amine Taşdan, Eduardo Buanaissa)
1. Vortrag: Vorstellung des Leitfadens „Unmasking Racism: Guidelines for Educational Materials“
Simiao Yu arbeitet im Leibniz-Institut für Bildungsmedien (Georg-Eckert-Institut). Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Entwicklung der Publikation „Unmasking Racism: Guidelines for Educational Materials“ von der UNESCO, die sie im Vortrag vorstellt.
Die wichtigsten Punkte des Vortrags
- Ziele der Publikation: Sensibilisierung dafür, wie sich Rassismus in Bildungsmedien manifestiert sowie die Entwicklung von Leitlinien zur Bekämpfung von Rassismus in Bildungsmedien weltweit
- Hauptzielgruppe: Akteur*innen der Lehrplanentwicklung und der Bildungsmedienproduktion
- Vorgehen: Auswertung von weltweiten Schulbuchstudien und regionale Konsultationen mit Expert*innen
- Enthält spezifische Empfehlungen für bestimmte gesellschaftliche Kontexte, z. B. (post)migrantische Gesellschaft, Othering und Schwarze Identitäten
- Allgemeine Empfehlungen geben Leitfragen zu Sichtbarkeit, Repräsentation und Narrative, die in Schulbüchern dargestellt werden
- Außerdem gibt es in der Publikation grundlegende Empfehlungen zum Umgang mit Rassismus als Schulbuchthema
Zuletzt erwähnt Simiao Yu die Fallstricke, die bei der Erstellung und der Arbeit mit Schulbüchern im Unterricht auftreten können, auch weil wir durch das Aufwachsen in dieser Gesellschaft alle ein „rassistisches Vorwissen“ und entsprechende vorurteilsbehaftete Prägungen mitbringen. Auch die Reproduktion von Stereotypen durch die Thematisierung von Rassismus solle in der Schulklasse richtig behandelt werden.
Weitere Informationen
Publikation „Unmasking Racism“ (englisch)
Policy Brief (Zusammenfassung der Publikation auf Deutsch)
2. Vortrag: Leitfaden für Lehrkräfte zum Umgang mit dem N-Wort im Unterricht
Amine Taşdan arbeitet als Beraterin in der Anlaufstelle Diskriminierungsschutz an Schulen in Berlin (ADAS). Eduardo Felisberto Buanaissa arbeitet bei NARUD e.V., u.a. in dem Projekt SafE – Stärkung afrikanischer Eltern. Gemeinsam mit weiteren Akteur*innen haben sie einen Leitfaden entwickelt, der Lehrkräfte beim Umgang mit dem N-Wort Handlungssicherheit geben soll.
Die wichtigsten Punkte des Vortrags
- Leitfaden: Wie sollen Lehrkräfte handeln, wenn das N-Wort in Lehrmaterialien auftaucht?
- Berlin: seit 2018 ist es Schulen verboten, Schulbücher mit diskriminierenden Begriffen und Bildern neu anzuschaffen, aber es gibt weiterhin älteres Material
- Begriffe wie das N-Wort sollen im Unterricht nicht verwendet werden
- es gibt aber ganz spezifische Kontexte, in denen die Begriffe verwendet werden könnten, z.B. bei der Besprechung von Kolonialismus
- die Notwendigkeit, einen Text mit N-Wort zu nutzen, muss durch die Lehrkraft wirklich gut reflektiert sein und erklärt werden können
- Einbeziehung von Schwarzen Schüler*innen oder deren Eltern im Vorfeld als Angebot, nicht als Expert*in für (Anti-)Rassismus
- Ziel dieses Vorgespräch: Was für einen Umgang wünschen sich Schüler*innen/Eltern mit dem Lehrmaterial?
- (Weiße) Lehrkräfte sollten sich klar gegen Rassismus positionieren
- Vorgespräche mit Schwarzen SuS kann auch dazu führen, dass das Thema nur als ein Problem für diese verhandelt wird, was nicht der Fall ist
Egal, ob es Schwarze Schüler*innen in der Klasse gibt oder nicht: Bevor Texte mit N-Wort im Unterricht reproduziert werden, muss die Geschichte und Bedeutung des Wortes stark betont werden.